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Plage Noire

– die Legende vom schwarzen Strand –


Hat man das Vergnügen, bei einer alten Schleswig-Holsteinischen Familie des Abends an ein prasselndes Kaminfeuer bei Bier und Doppelkorn eingeladen zu werden, so kann es passieren, dass das älteste Familienoberhaupt zu später Stunde einen Einblick in die Geschichten gibt, von denen schon die UrUrUr-Großmutter zu erzählen wusste. Nicht unwahrscheinlich ist es dann, wenn das Kaminfeuer bereits runtergebrannt ist und die gute Stube nur noch vom Glimmen der Glut in verhaltenes Licht getaucht wird, von der Legende des schwarzen Strandes zu hören…

Es wird erzählt werden von einer Heimsuchung, von einer Erscheinung, ja von einem Geist, dessen Seele immer wieder an den Weißenhäuser Strand zurückkehrt. Niemand weiß genau wann, doch höchstens einmal im Jahr, des Nachts, färbt sich der Sand des Weißenhäuser Strandes schwarz, erzählt man sich. In diesen Nächten schwört so manch unbedarfter Nachtwanderer Stein und Bein, dass er eine junge Frau in einem weißen Kleid auf den Salzwiesen gesehen hat. Die Laterne in ihrer Hand taucht sie in leichenfahles Licht, obwohl auch sie selbst nicht von der Dunkelheit verschlungen zu werden vermag. Nur eine kleine Unaufmerksamkeit, nur ein Wimpernschlag genügt, und sie ist verschwunden, als wäre sie nie dagewesen, und nur das Rauschen der dunklen See bleibt zurück.

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– Seemannsgarn –


Seemannsgarn gibt es vieles. Das meiste ist gesponnen aus Hörensagen, Halbwahrheiten, Geschichte, Aberglaube und meistens einer Menge Rum. Doch das beste, das stärkste Seemannsgarn birgt immer auch einen Funken Wahrheit in sich. Und dieser Funken ist es, der einen des Nachts kein Auge zu machen lässt. So etwas bekommt man nicht bei denen, die am lautesten grölen. Man halte Ausschau nach dem gedrungensten Seefahrer, der einsam am entlegensten Tisch oder am hintersten Ende der Theke der Schankwirtschaft sitzt, das Gesicht faltig wie altes Leder, mehr grau als Farbe im Bart, die mächtige Faust schweigend um das Glas Rum gelegt, das die ganze Nacht nicht leer zu werden scheint, obwohl er stetig daran nippt. Die Augen stets auf den Boden des Glases oder der unsichtbaren Welt dahinter gerichtet. Augen, die viel zu viel gesehen haben, als dass ihr Besitzer nicht längst schon mit dem Diesseits abgeschlossen hätte. Das ist die Art Mann, die man sucht. Und wenn man Glück hat, bereit ist eine Zeit gemeinsam zu schweigen und dafür sorgt, dass der Boden des Rumglases niemals trocken wird, dann erfährt man die erstaunlichsten Dinge…

Ob man denn schon am Wasser war, wird man vielleicht gefragt. Nein nein, nicht wie die Landratten zu Tage, mit ihren lärmenden Kindern und ihren Fotoapparaten, sondern dann, wenn die See spricht – des Nachts. Oder in der nebligen Morgendämmerung, wenn die Klage der unheilvollen Geheimnisse des Meeres von den geisterhaften Nebeln der Verheißung eines neuen Tages abgelöst wird. Nein, des Nachts beliebe man zu schlafen oder zu trinken, antwortet man dann eventuell und erntet damit nur einen ernsten Blick. „Gut“ grummelt es dann womöglich aus dem dichten Bart hervor, denn dieser Tage sei das kein Ort für Landratten.

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